Weblog von Wolfgang
Bin ich gerettet? Was denn nun: „Glaube und Werke“ oder „Glaube allein“?
Geschrieben am 07.05.2010 11:00 von
Wolfgang
Bin ich gerettet?
Bei den Mormonen war das noch relativ leicht: Ich war Mormone und hatte damit den rechten Glauben und mit der einzig wahren Kirche die Grundvoraussetzung. Und solange ich alle Vorgaben erfüllte, die ja recht konkret genannt waren, hatte ich das „JA“.
Nachdem mich Jesus nun aber daraus befreit hatte, kam die Frage nach den „rechten“ Werken wieder hoch. Was mich in den Jahren immer verwirrt hatte, waren die in meinen Augen gegensätzlichen Aussagen des Jakobus und des Paulus.
Was denn nun: „Glaube und Werke“ oder „Glaube allein“?
Für die Glaubensgeschwister, die eben diese Frage in ihrem Herzen bewegen, gebe ich nachstehend Gedanken von Arthur Muhl zu diesem Thema wieder:
(gekürzt, und dennoch recht lang – nicht wohl für ein fragendes Herz :)
Paulus und Jakobus in ihrer gegensätzlichen Heilslehre
Die menschliche Logik hat, liebe Geschwister, keine befriedigende Erklärung für die hier vorhandenen Widersprüche. Um so wunderbarer ist deren Lösung in göttlicher "Überlogik". Da unsere Bibel Gottes Wort ist und Gottes Wort die Wahrheit ist, muß diese Wahrheit in sich selbst klar, ja für jede geistliche Beurteilung völlig durchsichtig und licht sein.
Unser Thema hat mich schon vor Jahrzehnten im Glauben hin- und hergeworfen.
Weshalb?
Weil ich diejenigen Aussagen des Apostels Paulus, die denen des Apostels Jakobus genau widersprechen, nicht dadurch als vollgültig nehmen konnte, daß ich mit Martin Luther den Jakobusbrief einfach als eine "stroherne Epistel" ansah. Wir können den Jakobusbrief nicht einfach in den Papierkorb tun!
Wir lassen uns nun zunächst mit den vorhandenen Widersprüchen konfrontieren, es sind Widersprüche nach menschlicher Logik. Und wir dürfen dann in genauem Hinhören erleben, wie sich diese vorerst unlöslich erscheinenden Widersprüche in einer herrlichen Gottesweisheit auflösen.
Jakobus:
Was nützt es, meine Brüder, wen jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?
(Jak. 2, 14)
Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an und für sich tot.
(Jak. 2, 17)
Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben und ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen!
(Jak. 2, 18)
Willst du aber wissen, daß der Glaube ohne Werke tot ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte?
(Jak. 2, 20-21)
Ihr seht also, daß ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
(Jak. 2, 24)
Paulus:
Durch Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens und nicht aus Werken.
(Eph. 2, 8-9)
Wir werden geschenkter weise gerechtfertigt, durch Seine Gnade ... durch den Glauben in Seinem Blute, zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit.
(Röm. 3, 24-25)
Wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke
(Röm. 3, 28)
Wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen; aber nicht vor Gott ... Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
(Röm. 4, 2-3)
Wer nicht mit Werken umgeht, sondern dem glaubt, der den Gesetzlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Wie auch David die Glückseligkeit des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet.
( Röm. 4, 5-6)
Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungläubigen um.
( Hebr. 11, 31)
Ich komme auf Jakobus 2, 18 zurück: " Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne Werke!"
Dann sage ich: " Das ist unmöglich; es tut mir leid.
Christus wohnt durch den Glauben in meinem Herzen - das kann ich nicht zeigen - und mein Leben ist mit dem Christus in Gott - das kann ich noch weniger zeigen. Denn was Gott mir geschenkt hat, ist unsichtbar!"
Sobald jemand etwas gezeigt haben will, ist es entweder ein Mensch oder ein Engel.
Gott selbst will nicht sehen und nicht hören.
Er erforscht das Herz (Je. 11,3; Röm.8,27).
Das kann Gott allein!
Und mit Ihm allein haben wir es zu tun, die wir nicht unter Gesetz sind. So lesen wir auch in Hebr. 11,1: "Unser Glaube ist die Verwirklichung dessen, was man hofft: eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht." Unser Glaube bewegt sich in den Dingen, die man nicht sieht.
Und der, der etwas sehen will, dem man zeigen muß, daß Glaube vorhanden ist, der bewegt sich in der Ebene der Schöpfung, er sei Engel oder Mensch.
Wir beachten jetzt Jakobus 2,20, 21 und Römer 4,1-6: "Willst du aber wissen, oh eitler Mensch, daß der Glaube ohne Werke tot ist?" Wir stellen uns einmal vor, Jakobus und Paulus stünden sich gegenüber und reichten einander die Hand. Der eine sagt so und der andere so. Jakobus betont, "daß der Glaube ohne Werke tot ist"; Paulus aber sagt: "Wenn ich dem Glauben, den Gott mir geschenkt hat, der mich rechtfertigt und rettet, noch Werke hinzufüge, dann ist mein Glaube und meine Rechtfertigung vor Gott zerstört, und Gnade ist nicht mehr Gnade. Denn es ist der Glaube Christi und Christus selbst, die durch diesen Glauben in meinem Herzen wohnen" (Röm. 3,26; Eph. 3, 17).
Nun aber kommt der Höhepunkt der Gegensätzlichkeit, indem nämlich beide, Paulus und Jakobus, zur Rechtfertigung ihrer gegenteiligen Aussagen den Vater Abraham als Kronzeugen anrufen! So Jakobus: "Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte?" - Paulus aber betont: Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Glauben gerechtfertigt worden, ohne Werke (Röm. 3,28; 4, 2, 9-14, 18)?
Wer will jetzt antreten, um diese Gegensätze in billiger, verwässernder, wenn auch gutgemeinter Weise miteinander in Einklang zu bringen?
Die Weisheit Gottes aber hat die Lösung in wunderbarer Weise bereit!
Jakobus fährt noch fort: "Du siehst, daß der Glaube zu seinen Werken mitwirkte" (Kap. 2, 22). Jakobus weiß natürlich, daß der Glaube bei Abraham eine Rolle spielte. Uns so sagt er Kap. 2, 24: "Ihr seht, daß ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein." - Paulus hingegen lehrt: "Wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke" (Röm. 3, 28).
Und jetzt sollen wir glauben, beide Männer Gottes hätten unter der Führung des gleichen Heiligen Geistes Ihre Aussagen gemacht?
Wo man diese Aussagen auf billige Weise in Einklang zu bringen versucht, sagt man: "Aber natürlich, wer Glauben hat, muß auch gute Werke tun!"
Aber um diese Frage geht es gar nicht!
Es geht um die Frage, ob der Glaube allein mich rechtfertigt und rettet oder nicht.
Sind noch Werke nötig, damit ich gerechtfertigt werde und gerettet bin?
Es geht also um Leben und Tod, nicht um die Frage, ob ein gläubiger Mensch auch gute Werke tun soll. Das ist ja selbstverständlich.
Gerade Paulus, der weiß, daß er allein durch den Glauben und die Gnade Gottes gerettet ist, Gottes Gerechtigkeit geworden ist (2. Kor. 5, 21), sagt einmal: "Ich habe mehr gearbeitet als sie alle" (die anderen Apostel: 1.Kor. 15, 10=. Denn wer ohne Werke, allein durch die Gnade Gottes, gerettet worden ist, der hat die Hände und das Herz so frei von allen Ängsten und Nöten (ob er vielleicht doch irgendwo etwas versäumt habe an Werken, so daß es vielleicht doch nicht reicht), daß er in guten Werken überströmend sein kann.
Dann ist er zwar nicht einer, der "Werke wirkt", sondern einer, der durch den Geist Gottes wachsend und fruchtbringend ist in jedem guten Werk (Kol. 1, 10).
Dies kann auf der anderen Ebene, die Gott gesetzt hat, die Jakobus bedient, nie erreicht werden - Gott wohlgefällige Werke, die nicht Voraussetzung zur Rettung und Rechtfertigung sind, sondern einfach eine Frucht des vorhandenen unauflöslichen Gotteslebens, das allein Gottes Gnade in uns zeugt.
Wo liegt die Lösung, wenn sich Paulus und Jakobus in gegensätzlicher Weise beide auf Abraham berufen?
Wir spüren nun den entscheidenden Feinheiten des biblischen Textes nach, die den Weg zur Klärung der Probleme weisen.
Zum Glück sagt Jakobus: "Würde Abraham, unser Vater, nicht aus Werken gerechtfertigt, als er Isaak, seinen Sohn, opferte auf dem Altar?" Wenn Paulus ebenfalls auf Abraham Bezug nimmt, dann nimmt er gar nicht auf Abraham Bezug, sondern auf Abram.
Wieso?
In der ersten Hälfte des Lebens dieses Gottesmannes, des Vaters aller Gläubigen, ist sein Name Abram. Eines Tages stellt ihn Gott auf eine geistliche "Drehscheibe" und sagt: Von jetzt ab heißest du nicht mehr Abram, sondern Abraham (1. Mo. 17)!
Auf dieser "Drehscheibe" wird Abram unter das Gesetz der Beschneidung gestellt.
Vorher, in der ersten Hälfte seines Glaubenslebens, war er ein unbeschnittener Heide, irgendeiner aus den Nationen. Da gab es ja noch nicht ein Volk Israel und das Gesetz vom Sinai sowieso noch nicht. Das kam ja erst bei Moses.
Wir haben also den gemeinsamen Kronzeugen für die gegensätzlichen Behauptungen des Paulus und des Jakobus wohl in ein und derselben Person vor uns. Aber ein und derselbe Mensch ist vor Gott nicht ein und dasselbe in seiner geistlichen Vorausdarstellung für die beiden gesonderten Wege, die Gott mit den unbeschnittenen Nationen und mit Seinem unter Beschneidung gestelltes Volk Israel geht.
In der ersten Hälfte seines Lebens, als Unbeschnittener, ist Abram das Vorbild, wie Gott sich den Nationen, den Unbeschnittenen, zuwendet, allein durch die Gnade und den Glauben, den Er ihnen bedingungslos schenkt. Wenn Paulus sagt: "Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Glauben gerechtfertigt worden, ohne Werke", dann nimmt er nicht Bezug auf jenes Jahr und jenen Tag, da Abraham den Isaak opferte, sondern er nimmt Bezug auf einen Vorgang, der etwa 15 Jahre vorher im Leben Abrahams lag. Da war dieser Gottesmann, der Vater aller Gläubigen, noch unbeschnitten, da hieß er noch Abram: "Nach diesen Dingen geschah das Wort Jehovas zu Abram in einem Gesicht. Fürchte dich nicht, Abram; Ich bin dir ein Schild und dein
sehr großer Lohn. Abram sprach: Herr, Jehova, was willst Du mir geben? Ich gehe ja kinderlos dahin, und der Erbe meines Hauses ist Elieser von Damaskus. Und Abram sprach: Siehe, mir hast Du keinen Samen gegeben und siehe, der Sohn meines Hauses wird mich beerben. Und siehe, das Wort Jehovas geschah zu ihm also: Nicht dieser wird dich beerben, sondern der aus deinem Leibe hervorgehen wird, der wird dich beerben".
Da führte Gott den Abram hinaus aus seinem Zelt, es war Nacht, und Er sprach: Blicke doch gen Himmel und führe Buch über das Inventar der Sterne, wenn du kannst! Und Er sprach zu ihm: Also wird dein Same sein.
Und er glaubte dem Herrn, und Er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit (1. Mo. 15, 1-6).
Und schon war's geschehen!
Abram konnte kaum Atem holen, geschweige denn ein Werk tun, da war er von Gott selbst schon gerechtfertigt und in die Stellung der Rettung eingegangen.
...
Auf welches Erlebnis im Leben Abrahams nimmt Jakobus Bezug? Auf ein viel späteres, das erst stattfand, nachdem Abraham auf die "Drehscheibe" gestellt worden war. Da wurde zu ihm gesagt: "Nicht soll hinfort dein Name Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein." Und weiter: "Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: alles Männliche werde bei euch beschnitten..... Das soll das Zeichen des Bundes sein" (1. Mo. 17, 5, 10, 11).
Jetzt wird, zusammen mit dem Namen Abraham, die Beschneidung eingeführt.
Bis jetzt war er das Vorbild für diejenigen unter den Menschen gewesen, die Gott allein aufgrund Seiner Verheißung ohne Werke durch Glauben und Gnade rechtfertigt.
Jahre verstreichen im Leben Abrahams, und jetzt kommt erst das Kap. 22 im 1. Buch Mose, auf das sich Jakobus bezieht: "Und es geschah nach diesen Dingen, daß Gott den Abraham versuchte."
Was hat nun ausgerechnet Jakobus in Bezug auf das Versuchtwerden aussagen müssen? "Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen (das ist klar), und selbst versucht Er niemanden" (Jak. 1, 13). Das hat Er auch gar nicht nötig.
Wie kommt es dann aber zu einer Versuchung?
Dadurch, daß Geschöpfe, z.B. Engel, Anträge an Gott den Höchsten stellen. Denn diejenigen, die Anträge zur Versuchung stellen, wollen einen sichtbaren Beweis, daß es so ist, sie können ja nicht ins Herz der Betreffenden sehen.
Keine Versuchung, die je auf irgendein Geschöpf gelegt wird, kommt aus dem Herzen Gottes, sondern Gott genehmigt die Anträge von Engeln oder Menschen zur Versuchung oder Er lehnt sie ab. Deshalb liegt es an Gott, ob jemand in Versuchung geführt wird oder nicht: "Führe uns nicht in Versuchung!" Er entscheidet, ob irgendein Antrag zu einer Versuchung ausgeführt wird oder nicht.
...
Zurück zu Abraham: Was geschieht? Elohim, eine Götterschaft versucht den Abraham. Natürlich unter der Genehmigung Gottes, des Höchsten. Wie geht das im Einzelnen? Als Beschnittener ist Abraham ein Vorbild für den Weg Gottes mit Israel unter Gesetz, welches "auf Anordnung von Engeln hin" auf Israel gelegt wurde (Apg. 7, 53; Gal. 3, 19), weil sie die Führung des wahrhaftigen Gottes verscherzten mit dem Tanz ums goldene Kalb. "Da wandte Gott sich ab und gab sie dahin, dem Heere der Himmel zu dienen" (Apg. 7, 42). Das Heer der Himmel aber besteht aus einer "Rechten" und einer "Linken" (1. Kön. 22, 19). So waren sie dahin gegeben, den Dämonen zur Linken und heiligen Engeln zur Rechten zu dienen, denn das Gesetz ging aus Seiner Rechten für sie hervor (5. Mo. 33, 2).
Sogar die christusgläubige Gemeinde in Jerusalem hat sich noch unter Gesetz gestellt. Denn unter Anwesenheit des Jakobus wird dem zum letztenmal in Jerusalem erschienen Apostel Paulus entgegengehalten: Du siehst, Bruder Paulus, Zehntausende der Juden sind gläubig an den Herrn Jesus und alle sind Eiferer für das Gesetz (Apg. 21, 20).
Wo irgend und inwieweit das Gesetz aber noch gehandhabt wird, wo man sich darunterstellt, haben die heiligen, einst das Gesetz gebenden Engel ein Wort in der Frage der Rechtfertigung mitzureden.
Diese Engel fordern nun sichtbare Werke, denn sie können nicht, wie Gott selbst, das Verborgene der Herzen erforschen. Wenn der Herr Jesus in großer Macht und Herrlichkeit kommt, sendet Er Seine Engel vor sich her, und sie werden die einen ins Feuer werfen und die anderen in die Scheunen sammeln, je nach den Werken, die sie vorfinden. Hierher gehört auch der Dienst des Jakobus.
Wenn aber der Herr für die Glieder Seines Leibes kommt anläßlich der Entrückung, dann kommt Er selbst, Er, der nur nach den verborgenen Dingen des Herzens, nach Gnade und Glauben urteilt.
Nun die wichtigen Einzelheiten bei der Opferung Isaaks: "Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel Jehovas vom Himmel zu und sprach: Abraham, Abraham! Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben und tue ihm gar nichts!
Denn nun weiß ich (der Engel), daß du (Abraham) Gott fürchtest." Hat Gott selbst noch nicht gewußt, daß Abraham Ihn fürchtet? Schon längst! Schon 15 Jahre vorher oder mehr. Aber wer braucht ein sichtbares Werk als Beweis, daß Abraham eine solche Glaubenshaltung Gott gegenüber hat aufbringen können, daß er von Gott dem Höchsten gerechtfertigt und für tadellos befunden worden ist?
Der Engel.
In dem Augenblick, da Abraham das Messer zückt, ruft der Engel: "Abraham, Abraham, tue dem Knaben gar nichts, denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest und deinen Sohn, deinen einzigen, mir (dem Engel) nicht vorenthalten hast."
Wer hat also die Forderung gestellt?
Nicht Gott!
Sondern der Engel, wohl als Sprecher einer ganzen Gruppe.
Dann sieht Abraham den Widder. Und er opfert ihn an seines Sohnes Statt.
Der Engel ist zurückgekehrt gen Himmel. Nun aber erscheint er plötzlich zum zweiten Mal und meldet:
"Ich schwöre bei mir selbst, spricht Jehova..." Jetzt folgen nicht Worte aus dem Herzen des Engels, sondern jetzt kommt er im Auftrag Gottes, des Herrn. Zur Verdeutlichung nimmt Hebräer 6 (V. 13 u. 16) auf dieses Geschehen Bezug und stellt die Frage: "Warum schwor Gott der Herr bei sich selbst?" - "Weil Er bei keinem Höheren schwören konnte, schwor Er bei sich selbst." In wessen Auftrag also kommt der Engel des Herrn jetzt zum zweiten Mal zu Abraham? Im Auftrag des Höchsten selbst!
...
Jetzt zurück in den Römerbrief, Kap. 4, 1: "Was sollen wir denn sagen, daß Abraham, unser Vater, nach dem Fleische gefunden habe? Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist," (das stellt Paulus gar nicht unbedingt in Frage) "so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott."
Ja, vor wem wurde er denn aus Werken gerechtfertigt?
Vor den Engeln. Indem er durch seinen schweren Opfergang dem antragstellenden Engel den Beweis geliefert hat, daß die ihm von Gott zugerechnete Gerechtigkeit echt sei.
...
Wo Werke gefordert werden zur Rechtfertigung, da geschieht der Lohn nicht nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit! Das sind die Konsequenzen.
Jetzt kommt das unmöglich Erscheinende: "Dem aber, der nicht wirkt (nicht mit Werken umgeht), sondern dem glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet."
Diese Aussage bildet für unseren Glauben den Prüfstein, ob er tragfähig ist oder nicht.
...
Der gesamte Text ist zu finden bei:
www.kahal.de
Brief an einen Angefochtenen
Geschrieben am 30.04.2010 18:38 von
Wolfgang
Tillmann Siebel schreibt einem schwer Angefochtenen:
Freudenberg, den 9. Januar 1848
O Du armer, mir sehr teurer Bruder!
Weil Du, lieber Bruder, in Deinen Klagen mir schon so teuer und wert bist, der ich doch nur ein klein Gliedlein an dem großen Gotteshaupt unseres Herrn Jesu Christi bin, wie viel lieber, teurer und werter wirst Du nun dem Haupte selber sein!
Und wie wird Er Dir noch einmal, wenn Seine Stunde da ist, Seine Gnade, Seinen Frieden, ja Sein ganzes Heil so reichlich widerfahren lassen! Denn Er ist so, wie Er bei Jeremia sagt: „Und soll Meine Lust sein, daß Ich ihnen Gutes tun soll“ und: „Das soll Mir ein fröhlicher Name sein, wenn Ich ihnen all das Gute tun und geben kann, was ich im Sinn habe, spricht der Herr.“
Aber wisse, mein Bruder: zuerst wächst das Gras, dann der Halm und die Aehre, zuletzt aber der volle Weizen in der Aehre.
So laß auch dir daran genügen, daß Du ein Samenkorn und eine Pflanze Gottes bist, die anfängt heranzuwachsen zur ewigen Herrlichkeit. Wie aber alle Pflanzen in der Natur sich zur Sonne wenden, oder vielmehr wie die Sonne durch ihre warmen Strahlen die Pflanzen zu sich neigt, so laß auch Du Dich täglich neigen zur Sonne der Gerechtigkeit und laß Dich von derselben bescheinen.
So wird es Dir ergehen wie der Pflanze, die selbst nichts davon weiß, Du wirst heranreifen zur großen Ernte in der ewigen Glorie und Herrlichkeit.
Zwar können die menschlichen Pflänzchen Gottes es nicht immer glauben, daß sie unversehrt zum ewigen Leben erhalten werden, besonders nicht, wenn die rauhen Nordwinde der Sündengefühls und der mancherlei in ihrem Fleische sich regenden Lust über sie dahergehen.
Aber der sie gepflanzt hat, ist auch Herr über diese Stürme. Er weiß sie so blasen zu lassen, daß auch sie Seinem Volk zum großen Nutzen werden. Gerade durch sie werden nicht selten die bösen Nebel der Eigengerechtigkeit und der Selbstsucht hinweggeweht, und dann lernen wir zuletzt, unsere Hoffnung und unser Vertrauen nicht mehr auf die Gefühle zu setzen, sondern ganz und allein auf die Gnade, die uns angeboten wird in unserem HErrn Jesus.
Oh mein lieber, teurer Bruder, laß es Dir gefallen, daß Du also zerschlagen wirst im Gefühl der Sündhaftigkeit, wie Du mir schreibst. Denn nur dann werden wir Gott ein angenehmes Opfer, nur dann kommen wir zur rechten Einheit der Kinder Gottes, wenn wir uns in uns selbst ratlos fühlen und also in die offenen Liebesarme unseres getreuen Heilandes sinken.
Dann aber kann Gott nach Seiner mächtigen Stärke, wodurch Er Christus von dem Tode auferweckte, in uns den Glauben wirken, mit dem wir Ihn mit allen Seinen Heilsgütern umfassen können. Und dann finden wir das alles in Ihm, was wir so lange in unseren Gefühlen vergeblich suchten.
Wir werden nun erst in Wahrheit inne, daß wir mit Christus gekreuzigt, gestorben, begraben und auferstanden sind und in einem neuen Leben leben. Weil wir aber wissen, daß unser alter Mensch samt Ihm gekreuzigt ist, so wissen wir auch, daß wir mit Ihm leben. Und wie Christus, von den Toten auferweckt, hinfort nicht mehr stirbt – denn der Tod wird über Ihn nicht herrschen können – so werden auch wir durch Ihn und mit Ihm behalten werden zum ewigen Leben.
Also, mein Bruder, können und sollen wir uns das Wort von Paulus nach Römer 6, 11 aneignen: „Haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserem Herrn“, trotz aller Gefühle der eignen Sündhaftigkeit. Denn daß Er gestorben ist, das ist Er der Sünde zu einmal gestorben, daß Er aber lebt, das lebet Er Gott; so auch wir mit Ihm, die wir Sein Eigentum geworden sind.
O lieber Bruder, das ist ein großes und seliges Geheimnis.
Ist es dir noch nicht offenbare, so bitte den Herrn, daß Er es dir offenbare, so wirst auch Du Dich von ganzer Seele freuen können, daß Christus ist geboren, und Du wirst mit Freuden inne werden, daß „Christus in uns die Hoffnung des ewigen Lebens ist ...“
zitiert aus „Die Gnade bricht durch“ von Jakob Schmitt
werdet nicht der Menschen Knechte
Geschrieben am 19.04.2010 13:17 von
Wolfgang
„Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte“
(1. Kor. 7, 23)
Von der Freiheit eines Christenmenschen
„Ein Christenmensch (Knecht Christi) ist ein freier Herr über alle Dinge
und niemand Untertan.
Ein Christenmensch (Knecht Christi) ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge
und jedermann Untertan.«
Martin Luther
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Nachfolgender Text ist zitiert aus „Vom Geheimnis des Glaubens“
Werdet nicht der Menschen Knechte!
von Fritz Binde:
...
Wie haben wir doch diese apostolische und reformatorische Begründung des Gesetzes der vollkommenen Dienstbarkeit so schmählich vergessen! Und wie haben wir es, angesichts der verführerischen Zeitideen und falschen Freiheitsbestrebungen, die auch die Gläubigen erfassen, so hochnötig, neu in dieser allein heilsamen, christlichen, vollkommenen Freiheit und vollkommenen Dienstbarkeit zu stehen und zu bestehen! Werden wir ganze Knechte Christi, wie Paulus, wie Luther, und wir werden ganz freie Herren und ganz frohe Diener!
Nichts hilft uns, der Gemeinde und der Welt, als dieses!
Aber der größte Feind dieser gottseligen freien Dienstbarkeit ist und bleibt eben die betrügerische, ichselige Versklavung an uns selbst; denn sie führt allezeit auch zur unseligen Versklavung an die Menschen.
Heute wollen Millionen nicht mehr der Menschen Knechte sein, aber dieselben Millionen wollen auch nicht Christi Knechte werden, sondern selbstherrlich leben, und gerade deshalb bleiben sie der Menschen Knechte. Denn wer selber Herr sein will, braucht die Menschen immer irgendwie als Knechte, und eben dadurch begibt er sich in die Abhängigkeit von Menschen, die ihm dann selber zur Knechtschaft wird, weil er die Menschen zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaft nötig hat, und weil diese wiederum selber Herren sein wollen.
Nur einer und eines kann diese fluchvolle gegenseitige Versklavung auflösen und beenden:
Christus unser einziger Herr, wir einzig seine Knechte allein!
Allen Menschen aber freie Diener.
Dann tun wir je länger desto mehr alles, was wir Menschen dienend tun,
nicht mehr um unseretwillen, auch nicht um der Menschen willen,
sondern tatsächlich
um Christi willen.
Tun wir, was wir tun, um unseretwillen, das heißt im Eigenwillen zum Eigennutz, so beanspruchen und erwarten wir selbstsüchtigen Menschen gerade dann um so mehr Anerkennung, Ansehen, Dank und Lohn. Und die geriebenste Selbstsucht ist dabei die scheinbar selbstlose Selbstsucht, die zu vornehm ist, um den gewünschten Lohn von Menschen zu erwarten und zu empfangen, sondern sich selbst mit dem Bewußtsein der Uneigennützigkeit belohnt und bewertet.
Der Mensch kommt eben niemals durch sich selbst von sich selbst los; er bleibt ein Knecht seiner selbst, bis er Christi Knecht geworden ist.
Und tun wir andererseits, was wir tun, um der Menschen willen, so werden wir Sklaven ihres und unseres Ansehens, ihrer und unserer Artverschiedenheit, Begierden, Launen, Einfalle, Ausfälle, Vorliebe und Ablehnung, Vorzüglichkeit und Abscheulichkeit, Schmeichelei und Dreistigkeit, Dünkelhaftigkeit und Erbärmlichkeit.
Oh, welch bunte Menschenknechtschaft!
Bis wir, je besser wir die Menschen mit biblisch geöffneten Augen kennenlernen,
einsehen, daß sie um ihrer selbst willen durchaus nicht liebenswürdig sind,
und wir einsehen, daß wir es auch nicht sind.
Diese biblische Einsicht leitet uns hin zum Ende aller fleischlichen Menschenliebe
und alles fleischlichen Menschenhasses.
Endlich bleibt uns nur noch eine Stellung den Menschen gegenüber übrig,
nämlich die in Christus, und nur noch ein Dienst, nämlich der um Christi willen.
Fortan ziehen und schrecken uns die Menschen nicht mehr besonders.
Wir suchen und fliehen sie nicht eigentlich mehr.
Wir verehren und verachten sie nicht mehr wie früher.
Wir gebrauchen sie weniger und lassen uns weniger gebrauchen.
Aber gerade so vermögen wir, frei von ihrer und unserer Willkür,
frei von knechtender Zuneigung oder Abneigung,
frei von knechtender Ehr- und Habsucht,
ihnen in steter Unwillkürlichkeit des Geistes zu dienen und allen alles zu werden,
ohne uns an sie zu verlieren und sie an uns zu binden;
denn wir sind teuer erkaufte Knechte Christi,
und sie sind sein Erbgut, und wir wollen nur werden Gehilfen ihrer Freude an ihm.
Und wie wird uns dann jede einzelne Menschenseele um Christi willen so lieb und teuer!
Mag ein Mensch seiner fleischlichen Art und Erscheinung nach
noch so abstoßend auf unser Fleisch wirken, wir können ihn doch lieben.
Denn wir lieben ihn ja nicht mit unserer eigenen Liebe und Liebesfähigkeit,
sondern mit der Liebe Christi, ja mit dem Herzen Christi, dem unser Herz gehört.
Wir brauchen nur im Geiste zu erwägen,
daß Gott auch um dieses Menschen willen
seines eigenen Sohnes nicht verschont,
sondern ihn für ihn hingegeben hat zur Versöhnung und Erlösung,
und der unangenehmste Mensch wird uns annehmbar;
denn siehe, Gott hebt, Christus liebt ihn!
Wir können dem Menschen, der für Christus bestimmt ist, mit dem,
was in Christus für ihn bestimmt, nämlich mit Christi Liebe,
in herzlichem Erbarmen und in großer Geduld dienen,
für ihn glauben, beten und hoffen, auch durch und für ihn leiden.
Und das alles um so williger, wenn ein Mensch bereits im Glauben steht
und selber Christi Knecht ist.
Wie viele Mängel er auch noch haben mag,
wir kennen ihn nicht mehr nach dem Fleische (2 Kor. 5, 16),
so daß unser Fleisch sich an seinem Fleische ärgern müßte,
wie es in Hochmut, Neid, Haß so oft geschieht.
...
So erleben wir das Wunderbare, nämlich:
Nichts kann uns zu Menschenknechten machen,
wenn wir wirklich Knechte Christi
und um seinetwillen Diener aller sind.
Ekel gegen mich selbst?
Geschrieben am 01.04.2010 16:48 von
Wolfgang
Dieser Tage bekam ich von einer lieben Freundin den Hinweis auf einen Bibelartikel von Adolf Heller zum Thema: „Das Gnadengeschenk der Reinigung“
Dies betrifft mich unmittelbar und täglich.
Anfangs erschrecklich , ist sie mir inzwischen zu einem freudigen Lebensinhalt geworden.
Und, schaue ich zurück, hat sie mich ein Freund des Kreuzes werden lassen.
Und hält mich am Kreuz.
Durch sie habe ich Herzensgemeinschaft mit Jesus Christus, wie ich es vormals nicht einmal zu hoffen wagte.
Als Anregung für meine Glaubensgeschwister, diesen Artikel zu lesen, zitiere ich hieraus nachstehend einige Sätze.
„Ihr werdet eurer bösen Wege gedenken und eurer Handlungen, die nicht gut waren,
und werdet Ekel an euch selbst empfinden wegen eurer Missetaten und eurer Greuel."
(Hes 20, 43)
Damit beginnt die Reinigung, die in die Heiligung und Vollendung führt.
Gegen diesen Prozeß, daß der Heilige Geist uns Ekel erweckt gegen uns selbst, sträubt sich der moderne Mensch, der fromme wie der gottlose, sowohl die Halbfrommen als auch die ungelösten Manager, Redner und Bücherschreiber aller Schattierungen vom Wissenschaftler bis zum einfachsten Menschen.
Wer noch nie Ekel an sich selbst empfunden hat und durch Beichte und Bekenntnis ins Feuer der Reinigung gegangen ist, hat weder volle Gewißheit noch volle Freude des Heils. Das habe ich an mir selbst und ungezählten andern erfahren und miterlebt.
Wer sich nicht demütigen und zerbrechen läßt, aus dem kann nichts werden.
Irgendwie wird der Vater der Treue diesen Prozeß hier oder dort gründlich durch Reinigungsgerichte nachholen. Aber alle Seine Gerichte sind Bahnbrecher und Vorbereiter der Gnade, Güte und Herrlichkeit!
...
Was ist die Folge dieser Hinwegreinigung?
Man wird dadurch zu einem Gefäß der Ehre, unser Leben wird wertvoll, teuer und kostbar für Gott, kommt durch diese Reinigung der Absonderung in die gottgemäße Heiligung und wird so "nützlich dem Hausherrn (dem einzigen und wesenhaften Herrn aller Dinge und Welten), zu jedem guten Werke bereitet".
2 Timotheus 2, 23: Törichte (mooros = dumpf, stumpfsinnig, gottlos) und ungereimte (apatidos = einfältig, roh, unbeherrscht) Streitfragen in Politik (unsre Politiken sind in den Himmeln: Phil. 3, 20), Nahrung, Wohnung usw. soll man abweisen, sich mit Fanatikern auf nichts einlassen, da nur Streit daraus entsteht. Ein wirklicher Sklave des Herrn (Vers 24a) soll nicht zanken, schelten, hadern oder disputieren, sondern gegen alle milde sein.
Die geistliche Kraft und Vollmacht unsres Dienstes auf dem Boden der Gemeinde des Körpers Christi liegt nicht im Krachschlagen und Krakeelen, sondern im Schweigen und Segnen, Lieben und Leiden, Ausharren und Danksagen allezeit für alles.
Das, was irgend geschieht in Politik und öffentlichem Leben, in mehr oder weniger schandbaren schmutzigen Dingen, muß ja nach dem Wort der Schrift also geschehen.
Uns dient es zur Bewährung und sittlichen Ausreife, der Welt aber zum Gericht.
Wir wollen nicht mit jedem Händel anfangen und ihn beschimpfen, wozu besonders jugendliche und erwachsene Hitzköpfe neigen, sondern uns "hinwegreinigen", also absondern. Warnt doch auch die Schrift davor, sich mit Rebellen und in Rebellionen einzulassen!
So erst wird man ein Gefäß zur Ehre nach dem verborgenen, göttlichen Plan der Vollendung in Liebe!
...
"Man entferne die Schlacken von dem Silber, so (d. h. dann oder auf diese Weise) geht für den Goldschmied ein Gerät hervor", sagt Spr. 25, 4.
Das ist ein ernstes und wichtiges Wort, das wir uns immer wieder selber sagen sollten.
Welches deine und meine Schlacken sind, wissen wir sehr wohl, aber der Herr weiß das am besten.
"Wer Reinheit (oder Reinigung) des Herzens liebt, dessen Lippen sind Anmut und er ist ein Freund des Königs (nämlich des Christus, des Königs Israels und des Königs unsres Herzens)." Das sagt uns Spr. 22, 11. Wir, die wir uns rühmen, Glieder des Körpers des Christus zu sein, sollten auch etwas wissen und besitzen von der verborgenen Süßigkeit, ein Freund Jesu zu sein.
Wer davon gar nichts weiß und hat (und derer gibt es in allen christlichen Kreisen viele), ist vielleicht ein trockener, mißmutiger, rechthaberischer "Theologe", aber kein gelöster Mensch der Freude und Darsteller der frohmachenden Botschaft Gottes.
Lassen wir uns noch folgende Schriftstellen gesagt sein: "Ich (Gott) werde die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit (zu dem Zweck oder mit dem Erfolg, daß) sie alle den Namen des Herrn anrufen und Ihm einmütig dienen" (Zeph. 3, 9).
Lesen wir noch das ganze Kapitel 3 des Propheten Sacharja nach!
Wenn wir es langsam und betend tun, werden wir köstliche Zusammenhänge finden!
Das Geheimnis des Glaubens sind die Ziel- und Füllewahrheiten.
Man kann sie nicht durch einen hohen Verstand und ein geschultes Gedächtnis, sondern nur in einem reinen, d. h. gereinigten Gewissen bewahren (echoo = festhalten, in Besitz haben, wissen und verstehen).
Ein überaus wichtiges Wort! (1. Tim. 3, 9.)
Die meisten frommen Rechthaber und Streithähne haben weder das Recht noch die Fähigkeit, über "das Geheimnis des Glaubens" zu disputieren (Unbekehrte schon gar nicht!), wenn das gereinigte Gewissen nicht vorhanden ist.
Fangen wir mit dem letztgenannten Worte an:
"Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." –
Eine kleine, verbürgte Begebenheit sei hier angeführt,
die mehr Aussagekraft hat als theologische und wissenschaftliche Darlegungen:
Ein gläubiger englischer Schiffsjunge beobachtete seinen Kapitän,
der ein Flucher und Säufer war und die Frommen nicht ausstehen konnte,
wie er mit dem Fernrohr das Himmelsgewölbe absuchte.
Der Junge fragte ihn, wonach er denn Ausblick halte.
Der gottlose Spötter antwortete: "Ich suche deinen lieben Gott,
doch ich kann ihn nirgends entdecken."
Da antwortete der kleine, schlagfertige Bursche:
"Herr Kapitän, den werden Sie auch nicht finden,
denn es steht in der Heiligen Schrift geschrieben:
Glückselig sind, die reinen Herzens sind,
denn diese werden Gott schauen!"
Wir sehen und erkennen an geistlichen Wahrheiten nur das,
was wir mit gereinigtem Herzen suchen und lieben.
Das gilt hauptsächlich für die Ziel- und Vollendungswahrheiten des Wortes Gottes.
Schmutzigen Händen entzieht Gott Seine heiligsten Gaben und Güter;
die Demut und Liebe nur läßt uns Vollgültiges und Zielstrebiges erkennen und genießen.
....
Jes. 1, 11-16 enthält Aussagen, mit denen viele nichts anfangen können, wie denn überhaupt das Wesen des Gesetzes und der Dienst der Engel- und Dämonenwelt trotz vieler Hinweise der Schrift verborgen sind. Das soll auch so sein, denn Ungereinigte sind Gott ein Greuel, besonders wenn sie nach den heiligen Dingen des Herrn greifen und oft mit unglaublichem Starrsinn Dinge behaupten und verteidigen, die sie gar nicht verstehen.
Schon zu Lebzeiten des Apostels Paulus war das so.
Lesen wir nur etwa 1. Tim. 1, 5-7: "Das Endziel des Gebots (Innenzieles) aber ist: Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben, wovon etliche abgeirrt sind und sich zu eitlem Geschwätz gewandt haben, die Gesetzeslehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen, noch was sie fest behaupten".
Daß solche Dinge in der Endzeit auch vorkommen, ja, vorkommen müssen, ist jedem Schriftkenner klar. Es muß eben so sein, weil Gottes Wort es sagt, und an diesem Wort der Wahrheit und des Lebens wollen wir uns halten, bis der Herr kommt!
Maranatha, Herr, komme bald!
zitiert aus: www.kahal.de/368-AH-GDR.pdf
bleibe im Wort!
Geschrieben am 24.03.2010 19:20 von
Wolfgang
»Wenn ihr bleibet in meinem Worte, so seid ihr wahrhaft meine Jünger«
(Joh. 8, 31).
Nachfolgenden Text habe ich gelesen in: „Vom Geheimnis des Glaubens“ von Fritz Binde;
erschienen im Verlag und Schriftenmission der Ev. Gesellschaft
Es gibt immer zweierlei Nachfolger Jesu:
die einen bleiben und leben im Wort,
die anderen bleiben und leben in sich selbst.
Die ersteren lassen sich leiten von der Weisheit Gottes und der Erbarmung Gottes auf Grund der Tat Gottes in Christus Jesus, wie sie die Schrift kundtut, und leben bleibend gebunden ans allein maßgebende, Licht und Kraft spendende Wort.
Die anderen blicken wohl auch ins Wort hinein und beschauen da wie in einem Spiegel ihr leibliches Angesicht und betrachten sich im Lichte Gottes, aber nachher laufen sie davon und haben sogleich vergessen, wie sie gestaltet waren.
Es sind die vergeßlichen Hörer und Leser, die sich gründlich in bezug auf sich selbst und Gott verrechnen, denn das Wort wird in ihnen nicht Tat, sondern sie bleiben wie sie sind (Jak. L, 22-25).
Jetzt sitzen und hören sie in der Bibelstunde und gleich nachher laufen sie wieder ihren eigenen irrseligen Gedanken nach. Hängen sich wieder an ihre windigen Gefühle, stürzen sich wieder in ihr selbstsicheres Tun und sind damit wieder ganz dem Worte entlaufen. So erliegen sie denn auch sicher dem nächsten Zweifel, der nächsten Laune, der nächsten Versuchung. Denn nicht die biblisch geoffenbarten Gottesgedanken binden und leiten sie, sondern die unzulänglichen eigenen Gedanken. Nicht der im Worte bezeugten Erbarmung Gottes vertrauen sie, sondern dem Schaum ihrer unbeständigen Gemütsstimmungen.
Nicht die Tat Gottes in Christo ist ihr sicherer Grund und Halt, sondern vom Wert oder Unwert ihrer eigenen Tat sind sie ein- und hingenommen.
Natürlich bleiben sie kraft-, freud- und fruchtlos, unseliger als die Weltkinder. Die Zweifel plagen sie, die Gefühle narren sie, ihr Mühen enttäuscht sie. Immerdar hören sie, aber nie lernen sie vom Worte leben, nämlich im Worte bleiben.
Ach, wie groß ist die Zahl solcher am Glauben Kranken!
Sie können und wollen es nicht begreifen, daß biblisch glauben nichts anderes heißt, als Gott in seinem Worte recht geben, sich allein auf sein Wort stützen und ihn allezeit beim Wort nehmen, um durch sein Wort zu leben.
Sie alle haben das Kreuz als das strenge Todesgericht über unser Eigenleben nicht begriffen.
Sie alle haben keine wirkliche biblische Buße als Selbsterkenntnis, Selbstbeschämung und Selbstverwerfung erlebt. Sie alle haben ihr Leben nicht an Christus und sein Evangelium verloren. Sie alle haben nicht begriffen, daß wir nach dem Wort mit Christus Gekreuzigte, Gestorbene und Begrabene sind, deren eigenes Denken, Fühlen und Tun abgetan ist. Und sie alle haben nicht ergriffen, Christus als ihr neues, ewiges und alleiniges Leben, als ihre alleinige Weisheit, Gerechtigkeit, aber auch Heiligung und Erlösung nach der Schrift! (l.Kor. L, 30).
Sie alle haben bisher nicht Gott recht gegeben, sondern sich selbst.
Ihr Glaubenssprüchlein lautet: Ich denke, ich meine, ich fühle, ich spüre, ich will auch, ich kann nicht!
Sie alle glauben im tiefsten Grunde an nichts anderes als an sich selbst,
nämlich an ihr eigenes Können und Nichtkönnen.
Mit einem Wort: sie leben nicht im Wort und nach dem Wort,
sondern in ihrem eigenen Wesen und für ihr eigenes Wesen.
Aber das Wort kann sie dennoch gesund machen (Ps. 107, 20).
Einst kam eine Frau in hellem Entsetzen zu mir gelaufen und erklärte, der Heiland sei seit sieben Uhr morgens von ihr gewichen; sie habe es ganz genau gespürt. Ich kannte ihren nicht im Wort befestigten Geist, der noch nie recht mit des Herrn Geist eins geworden war, und suchte ihr die seelische Stimmung zunächst vernunftgemäß auszureden; aber sie blieb bei ihrem Jammer.
Da bat ich um ihre Bibel, öffnete mein Taschenmesser und sagte: »Wenn Sie es so ganz genau gespürt haben, daß der Heiland seit heute morgen sieben Uhr von Ihnen gewichen ist, dann erlauben Sie, daß ich die Stelle Matthäi am letzten aus Ihrer Bibel herausschneide, denn die hat dann in Ihrer Bibel nichts mehr zu tun!« und setzte die Spitze der Messerschneide an den Beginn des Satzes: »Und siehe ich bin bei euch alle Tage.«
Doch schnell fuhr sie nach meiner Hand und rief aus: »Sie werden mir doch meine Bibel nicht zerschneiden wollen?«
»Doch!« entgegnete ich, »entweder- oder! Entweder hat Ihr Spüren recht oder die Bibel! Und Sie sagen ja, Ihr Spüren habe recht, also heraus mit der Lüge aus der Bibel! Oder wer soll jetzt recht haben, Ihr Gefühl oder Gottes Wort? Wem wollen Sie glauben?«
Da rief sie einsichtsvoll aus:
»Gottes Wort!«
und lernte von Stund an, sich aufs Wort stützen, und genas in ihrem Glauben.
Oh, wenn es doch recht viele lernen wollten, was es heißt: im Wort bleiben, nämlich im Wort und aus dem Wort leben! Denn das allein bedeutet Bibelfestigkeit und Schrifterfüllung, wobei die praktische Mißachtung des Wortes Gottes und damit sowohl der ichweise Hochmut als auch die ichtörichte Schwermut verschwinden müssen.
Dazu aber ist es nötig, das Wort Gottes förmlich zu essen; denn man kann nur von dem leben, wovon man sich regelmäßig ernährt (Luk. 4,4).
Da genügt noch nicht einmal das stille, betende Schöpfen aus dem Wort in der Morgenfrühe, noch viel weniger das gemeinsame Einsammeln des Wortes bei den Familienandachten; denn welch ein vergeßlicher Hörer ist der Mensch! Nein, da ist es nötig, sich immer einige besonders nahrhafte Gottesworte für den Tages- und Nachtbedarf ins Herz zu schieben und sie tatsächlich mit sich zu führen, bei sich zu behalten, wie man meinetwegen belegte Butterbrote für die Reise mitnimmt, um frischweg in sie hineinzubeißen, wenn einem unterwegs schwach werden will.
So stärkte ich mich zum Beispiel schon seit vielen Jahren an dem unerschöpflich nahrhaften Wort: »Der Herr ist treu!« (2. Thess. 3, 3), das ich immer mit mir führe und das mich vieltausendmal im Nu über alle sich einschleichende Seelenbeunruhigung hinausgehoben hat.
Ebensolche Dienste leisten mir täglich der 23. und 103. Psalm.
Gegen Sorgen gibt's gar nichts Besseres als Hebräer 13, 5 und 1. Petrus 5,7,
in Versuchungen nichts Schlagenderes als Jakobus 4, 7 und 1. Petrus 5, 9, und des Herrn ewig neue Zurufe: »Wachet und betet! Fürchte dich nicht, ich bin mit dir! Sei getrost! Sei guten Mutes!« und viele andere Worte mehr.
Nimm sie nur und gebrauche sie, diese einfachen Hausmittel aus dem Gottesschrein der Heiligen Schrift, dieses hausbackene Brot, das die Glut der Liebe Gottes für dich schmackhaft gebacken hat.
Würdest du mehr tatsächlich davon leben, wie fröhlich würde dein Glaubensleben gedeihen!
Aber man läßt lieber die Gottesworte in der Bibel oder im Andachtsbuch stehen oder an der Wand hängen und läßt sich vom menschlichen Wähnen und Spüren beschweren und betrügen. Ach, wie wenige wissen als gute Streiter Christi das Wort Gottes als »Schwert des Geistes« gegen den Riesen Zweifel, gegen die Hexe Schwermut und gegen die Schlange Versuchung zu zücken!
Manche meinen auch, das fleißige sich Vorhalten und stete sich Einreden des Gotteswortes habe nur illusorischen, autosuggestiven Wert, das heißt, man lebe da nur von Einbildungen.
Das wäre zutreffend, wenn man es auf unsere unzulänglichen Gedanken und schwankenden Gefühle beziehen würde; denn da wirken tatsächlich die verblendeten Sinne der menschlichen Selbsttäuschung unterm Betrüge Satans, des Gottes dieses Zeitalters (2. Kor. 4,4) zum Verderben.
Aber das Wort und Reich Gottes ist Geist und Kraft aus der Höhe. Beweis: die Lebenserneuerung jedes Glaubenden, der im Worte bleibt. Also lasset uns still, genügsam und betend im Worte bleiben, daß die Schrift in und durch uns erfüllet werde und das Wort des Herrn auch zur Errettung der Ungläubigen laufe und gepriesen werde! (2. Thess. 3, 1).
Was ein treuer Wahrheits- und Leidenszeuge der Alten Kirche, Chrysostomus, d. h. Goldmund, Bischof von Konstantinopel, gestorben im Jahre 407, vor einundeinhalb Jahrtausenden in seliger Glaubensfreude bezeugen konnte, das können auch wir heute als Inhaber desselben Bibelwortes und des gleichen kostbaren Glaubens frohlockend bezeugen, nämlich: »Ich habe Sein Wort. Das ist mein Stab. Das ist meine Sicherheit. Das ist mein Hafen. Die ganze Welt mag voll Unruhe und Verwirrung sein. Ich erschrecke nicht. Ich habe Sein Wort. Ich lese die Heilige Schrift. Das ist meine Schutzwehr. Darauf verlasse ich mich. Die Wogen mögen über mich zusammenschlagen. Das Meer mag wüten. Die Gewaltigen mögen toben. Ich achte das alles so wenig wie Spinngewebe!«
Wie zeitgemäß klingt dieser alte Ausspruch! O wunderbares Gotteswort voll zeitüberdauernder, rettender Lebensmacht! (Matth. 24,35). Dich habe ich in dieser ersten Bibelstunde den teuren Hörern lieb machen wollen! Nun möge niemand bei der bloßen sogenannten »Bibelbetrachtung« stehen bleiben, sondern dich, du teures Wort, allezeit tatsächlich haben und benützen als ein nie trügendes Licht auf seinem Wege und als die nie verlöschende Leuchte seines Fußes!
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