Weblog von karinschneiderjundt

Blutsbrüder

Geschrieben am 03.04.2010 20:44 von Benutzer:  karinschneiderjundt karinschneiderjundt

Blutsbrüder

Vor zwei Wochen las ich in einer Zeitung einen Wissenschaftsbericht von Gisela Ostwald, der mich nachdenklich und auch hoffnungsfreudig stimmte. Darin berichtet sie, dass der Ethikprofessor Thomas White von der Loyola Marymount Universität in Los Angeles auf dem Kongress der weltgrößten Forscherorganisation etwas sehr Nachdenkens wertes erklärte.

Anhand einer Liste von Kriterien erfüllen seiner Aussage nach Delphine alle Voraussetzungen um als Individuum definiert zu werden. Sie haben positive und negative Empfindungen, Emotionen, Selbstbewusstsein und seien in der Lage, ihr Verhalten zu steuern.

Delphine erkennen einander und begegnen sich mit Respekt, meist sogar mit offener Zuneigung. Sie nehmen sich im Spiegel war - eine Leistung, die außer ihnen nur Menschen und Menschenaffen vollbringen. In Bezug auf die Struktur und andere Merkmale des Hirns bleibt den Menschenaffen aber nach den jüngsten Erkenntnissen vom Dorf ihn nur ein weit abgeschlagener Platz drei. Sie gehen analytisch und planmäßig vor und lösen komplexe Aufgaben. Außerdem haben sie die Kapazität, körperlich und gefühlsmäßig intensiv und langanhaltend zu leiden.

Diese Kombination von geistiger Kapazität und Verletzlichkeit ist nach traditionellem Verständnis allein den Menschen zu Eigen. Denn der Delphine sie im Verlauf seiner fast 60 Millionen Jahre langen Evolution ebenfalls erworben haben sollte, stünden ihm ehelicher Rechte zu, wie sie der Mensch für sich beansprucht, argumentiert der Ethikprofessor. Dann dürften Delphine nicht als Eigentum betrachtet oder abgeschlachtet werden sondern müssten mit Achtung behandelt werden.

Für den Menschen bietet der Delphin nach Ansicht des Experten die Chance, eine Ethik zu entwickeln, die „eine Wende in dem Verhältnis von Homo Sapiens und anderen intelligenten Arten auf unserem Planeten herbeiführt."

Was könnte so ein Forschungsergebnis bewirken? Es wäre in der Lage, das Weltbild, das wir Menschen von unseren Mitgeschöpfen haben, gründlich zu erschüttern.

Endlich wären die Tiere nicht mehr nur eine Sache, die man nach Belieben benutzen und wegwerfe kann, sondern Brüder und Schwestern, wie es schon Franz von Assisi gelehrt hatte. Etwas, das Tierliebhaber von jeher wussten und dafür meistens verspottet wurden.

Ich schrieb vor Jahren zu diesem Thema folgendes Lied:

Blutsbrüder

Vor mir sitzt mein alter Hund,

sieht mich fragend an.

Möchte gar zu gern ergründen,

wie er dienen kann.

Ist ein Bündel aus Gefühlen,

das mir blind vertraut.

Will mich lieben, mit mir spielen,

ist ein treuer Freund.

Ob ich dick bin, arm und hässlich,

ich bin seine Welt.

Er schaut hinter meine Maske,

die mein Selbst entstellt.

 

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Herz, ohne Wert und Verstand.

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Recht, oft gequält und verkannt.

 

Ich bin du und du bist ich,

wir sind vom gleichen Blute.

Du bist ich und ich bin du,

wir sterben den gleichen Tod.

 

 

In der Sonne ruht die Katze,

ganz entspannt und still.

Hört nicht auf mein lautes Rufen,

kommt nur, wann sie will.

Legt mir eine Maus zu Füßen,

als Geschenk gedacht.

Weiß das Leben zu genießen,

Jägerin der Nacht.

Einst als Göttin tief verehrt,

schön und wild und frei,

lebt sie das, was uns verwehrt,

schmust und schnurrt dabei.

 

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Herz, ohne Wert und Verstand.

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Recht, oft gequält und verkannt.

 

Ich bin du und du bist ich,

wir sind vom gleichen Blute.

Du bist ich und ich bin du,

wir sterben den gleichen Tod.

Kleiner Vogel voller Leben,

fröhlich klingt dein Lied.

Singst bei Sonne, Wind und Regen,

singst, weil es dich gibt.

Deine Augen, fremd und wachsam,

blicken mich still an.

Fliegst empor in Richtung Sonne,

bist dem Himmel nah.

Manchmal halt´ ich dich in Händen,

fühl dein scheues Sein.

Bunter Hauch aus fernen Welten,

willst du Bote sein.

 

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Herz, ohne Wert und Verstand.

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Recht, oft gequält und verkannt.

 

Ich bin du und du bist ich,

wir sind vom gleichen Blute.

Du bist ich und ich bin du,

wir sterben den gleichen Tod.

 

 

 

Löwen, Kühe, Hamster, Pferde,

seht sie euch gut an!

Als Geschöpfe dieser Erde

gingen sie voran.

Affen lernten als wir schliefen,

wie man Nüsse knackt.

Aus des Ursprungs dunklen Tiefen

ein Delphin uns heilt.

Wärmen, speisen uns wie Brüder,

die das Schicksal eint.

Wir verlernten Dankeslieder,

stoßen sie ins Leid.

 

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Herz, ohne Wert und Verstand.

Dem Gesetz nach bist du nur eine Sache,

ohne Recht, oft gequält und verkannt.

 

Ich bin du und du bist ich,

wir sind vom gleichen Blute.

Du bist ich und ich bin du,

wir sterben den gleichen Tod.

 

 

Du bist ich und ich bin du,

denn auch mein Blut ist rot.

 

Lebe - Jetzt

Geschrieben am 03.04.2010 20:43 von Benutzer:  karinschneiderjundt karinschneiderjundt

Lebe -  jetzt

 

Lebe -  jetzt

Zwei meiner Lieder berühren fast alle Menschen. Entweder sind sie betroffen davon oder sie weinen. Und zwar sind es die Lieder:

"Ich will leben…, lieben, frei sein, träumen, stark sein… ohne Angst."

Oder:

 

J E T Z T  !

 

 

Siehst du der Sonne Farbenspiel,

fühlst du ihr Wärmen sanft auf dir,

lockt sie dich in den Hof hinaus,

folge ihr   j e t z t  !

Morgen da ist sie schon weit fort,

an einem unbekannten Ort

und voll Bedauern denkst du dann:

"Es ist zu spät".

 

 

Siehst du den Mann, den du so magst,

wie er sich doch so müht und plagt?

Geh´, sage ihm, wie du ihn liebst.

Sage es  j e t z t !

Morgen vielleicht kann es gescheh´n,

da muss er plötzlich von dir geh´n,

und dir bleibt nichts mehr als der Schrei:

"Es ist zu spät".

 

 

Siehst du dein Kind im Zimmer steh´n

und seine Augen hilflos fleh´n,

weil es das Leben nicht versteht.

Sprich mit ihm  j e t z t !

Morgen da braucht es dich nicht mehr,

morgen, da zählen andre mehr.

Und voller Trauer sagst du dir:

"Es ist zu spät".

 

 

Siehst du den Mensch trotz deinem Glück,

Tränen verdunkeln seinen Blick.

Geh frage ihn, was ihn so quält,

Tue es  j e t z t  !

Morgen vielleicht da hörst du dann,

dass er sich da das Leben nahm,

und voller Reue merkst du nun:

"Es ist zu spät".

 

 

Sieh dort den Freund, den du nicht sprichst.

Flehend schaut er in dein Gesicht,

damit du ihm die Schuld vergibst.

Tue es  j e t z t !

Morgen bist du vielleicht allein,

weil andre dir auch nicht verzeih´n,

und voller Scham erkennst du dann:

"Es ist zu spät".

 

 

Sieh jeden Tag jetzt mehr und mehr

so an, als ob´s der letzte wär.

Tu Dinge, die dir wichtig sind.

Lebe sie  j e t z t !

Morgen da ist es oft zu spät,

morgen da läuft meist viel verkehrt,

morgen das gibt es dann nicht mehr,

nur noch "nie mehr".

 

 

Text und Melodie

K a r i n

 

 

 

Das beweist doch, wie unendlich groß unsere Sehnsucht ist wahrhaft zu leben. Doch wirklich leben können wir nur im Jetzt. Warum fällt es uns aber so unendlich schwer, den Augenblick zu leben, zu erleben, zu genießen?

Ich denke, der Hauptgrund ist der, dass wir uns ständig in Gedanken entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft befinden anstatt bewusst zu erleben, was gerade geschieht. Damit befinden wir uns eigentlich immer außerhalb von uns selbst, weil wir den Augenblick niemals bewusst erfassen können. Darum haben wir das Gefühl, dass wir nichts selber gestalten können, sondern vom Schicksal überrannt werden. Weil wir entweder entsetzt oder voller Wehmut in die Vergangenheit starren, oder angstvoll oder sehnsüchtig in die Zukunft blicken, verpassen wir ständig die Gegenwart.

Es ist so, als würde jemand ständig hinter unserem Rücken zwei Schalter betätigen und damit einen Film vor unseren Augen abspielen lassen. Entweder den Film unseres vergangenen Lebens, so, wie er durch unsere Interpretation entstanden ist, oder einen Sciencefiction Film, den uns unsere jeweilige Gefühlslage eingibt.

Und wir starren gebannt auf diese Filme, fühlen uns ihnen ausgeliefert, anstatt uns von ihnen abzuwenden um das Hier und Jetzt in Augenschein zu nehmen, denn nur die Gegenwart könnten wir zu einer erfreulichen Vergangenheit gestalten.

Dass ist schwer, das bedeutet ein ununterbrochenes Ringen, ein sich bewusst machen, eine harte Disziplin. Kinder und Tiere weilen im Hier und Jetzt. Wir Erwachsenen werfen uns aus diesem Paradies.

Wie können wir uns ein wenig von dieser Unbefangenheit zurückerobern? Das beste Mittel, um diese Gratwanderung zu bewältigen, ist die Dankbarkeit.

Wenn ich mir den jetzigen Augenblick mit einem dankbaren Herzen betrachte und mir klar mache, dass ich - im Gegensatz zu einem großen Teil der Menschheit - ein Dach über dem Kopf, ausreichende Mahlzeit besitze, ein warmes Bad nehmen, Kaffeetrinken, Musik hören, laufen, sehen, hören kann, - die Reihe ließe sich noch stundenlang fortsetzen, - dann würde mir bewusst, wie lebenswert und reich mein Leben in Wahrheit ist.

Allerdings nützte es niemandem, nun schuldbewusst ins Gegenteil zu verfallen, auf diejenigen zu starren, denen es schlechter geht als uns und darüber ins Wehklagen zu verfallen. Das hilft keinem und ist oft nur eine unbewusste Ausrede, nichts zu tun. Sondern dankbaren das annehmen, womit uns das Schicksal beschenkt und zu versuchen, so gut wie möglich mit anderen zu teilen.

 

 

 

Tief in meinem Herzen

Geschrieben am 03.04.2010 20:40 von Benutzer:  karinschneiderjundt karinschneiderjundt

Tief in meinem Herzen

Warum wenden wir uns zumeist erst in Zeiten der Not und der Hilflosigkeit Gott zu?

Weshalb findet Gott bei uns nur Gehör, wenn wir Angst haben, wenn wir keinen Ausweg mehr sehen?

Wozu müssen wir Dunkelheit und Schmerz durchleiden, um unser wahres Inneres und Gottes Wirken in uns zu erkennen?

Wahrscheinlich, weil wir in Zeiten des Glücks und der Zufriedenheit meinen, Gott nicht zu brauchen. Wir vergessen, wem wir diesen Zustand verdanken. Wir sehen überhaupt keine Veranlassung, etwas in unserem Leben zu verändern oder gar dankbar dafür zu sein. Aber Gott möchte, dass wir uns weiter entwickeln, die Gaben, die in uns brachliegen, zur Entfaltung bringen; dass wir erkennen, wie sehr wir von ihm abhängig sind. Damit dir das, wofür er uns erschaffen hat, auch tun. Nämlich, seinen Auftrag an uns zu erfüllen.

Dieses machte er mir erneut sehr deutlich in einer Notlage bewusst. Wieder stand ich vor einer Operation, die ich viel zu lange heraus geschoben hatte, weil ich durch zahlreiche, negative Erfahrungen mein Vertrauen in die Ärzte völlig verloren hatte. In meiner Unterleib war ein sehr großes Myom gewachsen. Ich wollte aber dieses Organ, dem ich zwei gesunde Kinder verdankte, nicht verlieren. Deshalb sollte nun festgestellt werden, ob die Geschwulst gutartig oder bösartig war. Eigentlich eine harmlose Angelegenheit.

In meinem Inneren war ich jedoch schon über längere Zeit ganz fest davon überzeugt, nicht mehr lange zu leben. Ich hielt das für den sechsten Sinn. Nichts und niemand konnte mich von dieser Überzeugung abbringen. In Gedanken ordnete ich schon alles für meine Familie. Tiefe Verzweiflung, Angst und Bitterkeit schnürte mir das Herz zu.

Ich sollte mich frühmorgens im Krankenhaus einfinden und saß am Abend davor ganz gebrochen auf meinem Bett, als mein Blick auf meine Gitarre viel. Automatisch nahm ich sie hoch und spielte ein paar Akkorde. Da stiegen Worte in mir auf und ich fühlte mich gezwungen, sie aufzuschreiben. An diesem Abend entstand das Lied:

Tief in meinem Herzen

 

Tief in meinem Herzen, da hör´ ich ein Lied,

tief in meinem Herzen, das nur mir gehört.

Tief in meinem Herzen, ganz zärtlich und sacht,

tief in meinem Herzen ein Singen.

Tief in meinem Herzen, da liegt eine Kraft,

tief in meinem Herzen, die Ruhe mir schafft.

Tief in meinem Herzen, verborgen und still,

tief in meinem Herzen ein Jubel.

 

 Tief in meinem Herzen, da leuchtet ein Licht,

tief in meinem Herzen, das Mauern durchbricht.

Tief in meinem Herzen, ganz strahlend und rein,

tief in meinem Herzen ein Siegen.

Tief in meinem Herzen, da fühl ich ein Glück,

tief in meinem Herzen, das Berge verrückt.

Tief in meinem Herzen, ganz mutig und frei,

tief in meinem Herzen ein Lieben.

 

 Tief in meinem Herzen, da folg ich dem Weg,

tief in meinem Herzen, der mich vorwärts trägt.

Tief in meinem Herzen, ganz lachend und schön,

tief in meinem Herzen ein Rufen.

Tief in meinem Herzen, da lebt ein Gefühl,

tief in meinem Herzen, das mich schützen will.

Tief in meinem Herzen, ganz bergend und stark,

tief in meinem Herzen ein Danken.

 

 Tief in meinem Herzen, da seh ich ein Ziel,

tief in meinem Herzen, das mich locken will.

Tief in meinem Herzen, ganz freudig und warm,

tief in meinem Herzen ein Wissen.

Tief in meinem Herzen, da folg ich dem Ruf,

tief in meinem Herzen, der Leben mir schuf.

Tief in meinem Herzen, ganz sicher und klar,

tief in meinem Herzen ein Friede.

 

 

Text und Melodie

Karin Schneider

 

 

 

Ich verstand die Welt nicht mehr. Da fühlte ich mich hoffnungslos verzweifelt, am Ende meines Lebens und aus meinem Inneren kamen diese Worte.

Aber meine Seele verstand, wenn auch mein Herz vor Angst zitterte. Gott sprach in dieser Form eindringlich zu mir, um mir seinen Bereich stand zuzusichern. Und auch, dass ich niemals wissen kann, wie mein Schicksal verläuft.

Als ich am nächsten Morgen nach der Untersuchung aus der Narkose erwachte, standen viele Menschen mit besorgter Miene um mein Bett herum. Man hatte ein fast 2 kg schweres Myom festgestellt, dass sofort entfernt werden sollte. Dazu wurde extra ein Professor aus Wiesbaden geholt.

Viele, unangenehme Voruntersuchungen erfolgten. Die Narkoseärztin sprach beruhigend auf mich ein, dennoch war ich wie gelähmt vor Angst.

Das stellte sich eine große, blonde Schwester neben mich und fragte:" Sie glauben doch an Gott. Warum haben Sie dann solche Angst? Es wird doch alles gut." Irgendwie erschien sie mir wie ein Engel, denn auch wenn ich mich fragte, woher sie das denn so genau wissen könne, wirkten ihre Worte erstaunlich beruhigend auf mich.

Als ich später in den OP gefahren wurde, kam die Narkoseärztin angeeignet und sagte: "es tut mir leid, aber ich muss zu einem anderen Fall. Aber seien Sie ganz ruhig, mein Kollege ist selber Sänger und wird ganz besonders auf ihre Stimmbänder aufpassen." Ich hatte ihr nämlich erklärt, dass ich vor Jahren nach einer OP nicht mehr singen konnte.

Das war für mich ein erneutes Zeichen von Gottes Fürsorge, und als mir die Narkose gelegt wurde, war ich vollkommen entspannt und zuversichtlich.

Als ich in meinem Zimmer wieder erwachte, den Bauch zugetackert und an verschiedenen Schläuchen hängend, stand meine ganze Familie um mein Bett. Die Tage danach wurde ich rührend versorgt. Meine Tochter half mir, ein Freund saß am Tag an meinem Bett, während mein Mann die Nacht über auf einem Liegestuhl neben mir verbrachte.

Dennoch galt ich bin schon sooft in meinem Leben als "die Frau mit der Angst". Nun erneut fragte mich eine Schwester, warum ich so viel Angst hätte, wenn ich doch gläubig sei. Anfangs ärgerte mich das, weil es auch gewisse Schuldgefühle ihm erweckte. Aber dann erklärte ich, dass ich es für ganz normal empfände, Angst zu haben und das auch offen zugeben. Im Gegensatz zu so anderen, die ihre Angst verdrängen oder leugnen und dafür ein Magengeschwür bekommen.

Nachts setzten sich oft die Nachtschwestern an mein Bett, um sich mit mir über meine Arbeit zu unterhalten und ich erkannte, dass hinter all diesen Fragen der Wunsch und die Suche nach Gott war. Eine junge Schwester kam sogar später zu uns in den Kreis.

Auch auf diese Weise arbeitet Gott mit unserem Leid - um ein mögliches Vorbild zu sein. Um mit Sicherheit sagen zu können:

Tief in meinem Herzen da liegt eine Kraft,

tief in meinem Herzen ein Friede.

 

 

 

 

 

Er hielt meine Hand

Geschrieben am 03.04.2010 20:39 von Benutzer:  karinschneiderjundt karinschneiderjundt

Er hielt meine Hand

 

Ein Erlebnis hat mein Leben ausschlaggebend geprägt.

Ich musste mich vor Jahren einer Schilddrüsenoperation unterziehen und hatte große Angst davor. Besonders vor der Narkose. Wie manch anderer befürchtete ich, nicht mehr daraus aufzuwachen. Auch der sehr einfühlsame Narkosearzt konnte mir diese Angst am Vortag nicht ausreden.

"Wovor haben Sie denn so eine Angst? Ich bin da und werde gut auf Sie aufpassen ", redete er mir gut zu.

"Meine Großmutter, die mich aufgezogen hat, ist nach einer Operation gestorben. Außerdem kann ich Sie im OP doch gar nicht erkennen, weil Sie maskiert sind", klagte ich verstört und ließ mich nicht beruhigen.

Am nächsten Morgen, ich war schon für die OP vorbereitet, fiel mein Blick auf ein Kreuz, das auf der gegenüberliegenden Wand hing, und ich sprach in Gedanken:

"Jesus, wenn du meine Hand halten würdest, hätte ich nicht mehr so große Angst".

Nun ist es so, dass ich eigentlich bis dahin ein richtiggehendes "Vaterkind" gewesen bin, da mir Gott den fehlenden Vater ersetzt hatte. Jesus war für mich noch nie ein Ansprechpartner in Notfällen gewesen.

Als ich in den OP gefahren wurde, kam mir an der Tür der Narkosearzt entgegen. Er hatte seine Maske vom Gesicht gezogen und lächelte mir aufmunternd zu. Ich war jedoch wie gelähmt vor Angst. Er trat zu mir und wollte mir gerade die Narkose setzen, als er plötzlich innehielt, seinem Assistenzarzt ein Zeichen gab, einen Schemel heranzog, sich neben mich setzte, meine Hand ergriff und sie hielt ist, bis ich eingeschlafen war.

Als ich aufwachte, hing ich an vielen Schläuchen, konnte nicht sprechen und dämmerte benommen vor mich hin. Der Narkosearzt kam kurz vorbei, sagte: „So eine ruhige, entspannte Patientin wie Sie habe ich selten erlebt. Sie können gerne öfter zu mir kommen“ und verschwand. Ich ruhig und entspannt??

Ich verschluckte mich kurz darauf, bekam keine Luft, geriet in Panik. "Ich habe es geahnt, jetzt werde ich sterben wie meine Großmutter", durchfuhr es mich und mein Herz stolperte. Ich war entsetzt, dass niemand etwas davon merkte. Wozu war ich eigentlich hier unter Bewachung, wenn das keiner feststellte? Ich hörte die Stimme des Narkosearztes. Er erzählte und lachte mit den Schwestern. Er, der vorher so einfühlsam gewesen war, interessierte sich nun nicht mehr für mich. Er hatte seine Arbeit getan, und war in Gedanken schon beim nächsten Fall.

Ich erstickte nicht, sondern erinnere mich noch mit großer Dankbarkeit an einen jungen Pfleger, der mich des Nachts unendlich zart und liebevoll aufrichtete, wenn es nötig war, und dass ich mich überhaupt nicht schämte, halb nackt in seinen Armen zu liegen.

Als ich am darauf folgenden Tag wieder in meinem Zimmer lag, fiel mir die Begebenheit mit dem Narkosearzt im OP ein und Tränen traten in meine Augen. Große Betroffenheit, Dankbarkeit und Liebe weiteten mein Herz. Ich hatte zum ersten Mal ganz deutlich den Beweis erhalten, wie ernst Gott unsere Bitten nimmt. Jesus hatte in Gestalt dieses Arztes meine Hand gehalten. Der Arzt war lediglich eines seiner Werkzeuge gewesen, um mich in dieser schweren Zeit zu tragen. Genauso, wie er mich in Gestalt des Pflegers rührend im Arm gehalten hatte.

Ein paar Tage später wurde ich entlassen und ging an die Pforte, um mich nach jenem Narkosearzt zu erkundigen. Ich wollte ihm für sein Verhalten im OP danken. Die Sekretärin sah mich erstaunt an. "Den Arzt, den sie beschreiben, gibt es bei uns nicht", erhielt ich zur Antwort.

"Hören Sie mal, ich bilde mir das Ganze doch nicht ein", ereiferte ich mich.

"Dann kann es höchstens sein, dass dieser Arzt an besagtem Vormittag als Aushilfe bei uns war", erwiderte sie.

Ich erschrak innerlich und war äußerst betroffen. Wir Christen verkünden zwar ständig, wie sehr wir an Gottes Hilfe glauben. Doch wenn wir seine Gegenwart so ganz hautnah erleben, jagt uns das irgendwie Angst ein. Oder tun das Ganze als glücklichen Zufall ab. Wahrscheinlich, weil uns bewusst wird, dass er immer da ist, auch, wenn wir seinen Augen ausweichen möchten.

Für mich war dieses Erlebnis eine große Gnade und die, wenn auch immer wieder schwankende Erkenntnis, dass wir nie ganz einsam und verloren sind, mag es noch so hoffnungslos und dunkel in unserem Leben aussehen.

 Ich fasste das Erlebnis in ein vertontes Gebet:

 

Jesus, mein Bruder

Jesus, mein Bruder, erhör‘ mein Gebet.

In meinem Leben läuft manches verkehrt.

Mein großer Bruder, ergreif‘ meine Hand.

Auch Du hast Tränen und Schmerzen gekannt.

 

Jesus, mein Bruder, lass mich nicht allein,

weißt Du, ich fühle mich oftmals so klein.

Mein großer Bruder, Du kennst diese Welt,

komm, zeig mir Wege, wie man nicht mehr fällt.

 

Jesus, mein Bruder, komm, halt meine Hand,

auch Du warst einsam, weil keiner verstand.

Mein großer Bruder, ich brauche Dich sehr,

aufrecht zu gehen fällt unsagbar schwer.

 

Jesus, mein Bruder, die Zeit, sie verrinnt,

doch ich bleib immer ein hilfloses Kind.

Mein großer Bruder, Dein Blick ist stets klar,

hilf mir in Zeiten von Not und Gefahr.

 

Jesus, mein Bruder, ich fürchte mich sehr,

in diesem Dunkel schein alles so leer.

Mein großer Bruder, das Böse greift an.

Nur mein Vertrauen besiegt diesen Bann.

 

Jesus, mein Bruder, die Hoffnung zerbrach.

Zu oft ertrug ich Enttäuschung und Schmach.

Mein großer Bruder, mein Herz wurde blind,

führe mich vorwärts, wie ein schutzloses Kind.

 

Jesus, mein Bruder, erhöre mein Fleh‘n,

lass uns gemeinsam den Lebensweg geh‘n.

Mein großer Bruder, Du weißt wie man lebt,

löse die Fessel aus Angst, die begräbt.

 

Jesus, mein Bruder, ich fühl Deine Hand.

Du bist mir nahe, wir sind ja verwandt.

Mein großer Bruder, mein Heiland, mein Licht,

in Deiner Nähe verzweifle ich nicht,

denn Deine Liebe, sie trägt mich ins Licht.

 

 

Text und Melodie des Liedes

Karin Schneider

Provokation

Geschrieben am 03.04.2010 20:37 von Benutzer:  karinschneiderjundt karinschneiderjundt

Provokation

Ich stelle einmal folgende Behauptung in den Raum:

Nur, derjenige, der auch ein Tier schlachten kann, dürfte Fleisch essen.

Ich höre einen empörten Aufschrei: Das könnte ich nie!

Wie komme ich zu dieser Meinung. ?

Nun, ich beobachte immer wieder Menschen, die tagtäglich bedenkenlos Fleisch, Wurst, Schinken essen, aber sich keine Gedanken darüber machen, unter welchen Bedingungen diese Nahrungsmittel hergestellt werden. Wie sollten sie auch? Sauber in Folie eingeschweißt wandert das Schnitzel in die Kühltruhe und dann ins unser Haus. Das dafür ein Tier sein Leben lassen musste, ja, sogar mit Sicherheit vorher unter unmenschlichen Bedingungen aufgewachsen und qualvoll gestorben ist, lässt sich so auf diese Weise wunderbar vom einzelnen verdrängen.

Und diejenigen Menschen, z.B. Metzger, die diese grausame Arbeit für uns erledigen, werden im Inneren sicher von den meistern von uns für brutal und irgendwie vielleicht sogar für pervers gehalten. Sie erledigen aber schließlich für uns nur das, wozu wir uns zu "menschlich" vorkommen.

Könnte ich ein Tier töten?

Unter normalen Bedingungen antworte ich, ebenfalls schaudernd, nein. Aber ich weiß nicht, wozu ich in einer Notlage fähig wäre.

Worum es mir hier eigentlich geht ist, dass wir vor uns selber ehrlich sein sollten. Sehr viele von uns handeln gar nicht einmal bewusst grausam, sondern einfach gedankenlos. Und auch wenn jemand aus Fernsehberichten oder aus der Zeitung von schlimmen Bildern aufgerüttelt wurde, verdrängt er das der menschlichen Natur entsprechend rasch wieder. Bequemlichkeit ist für uns meist ein sanftes Ruhekissen.

Tief eingegraben hat sich in uns ebenso die verhängnisvolle Botschaft, der Mensch sei die Krone der Schöpfung und die gesamte Schöpfung daher sein Untertan. Ein guter Herrscher behandelt seine Untertanen allerdings respektvoll und tut sein Bestes, dass es ihnen gut geht und beutet sie nicht aus oder misshandelt sie.

Nur Bewusstheit kann in dieser Welt etwas zum Guten wenden. Warum wehrt sich eigentlich in uns alles, ein Kaninchen, das in unserem Haushalt lebt, zu verspeisen, während es uns gleichgültig lässt, dass Millionen dieser armen Kreaturen zu einem elenden Dasein verdammt sind? Und noch dazu letztendlich nur, um unser Bedürfnis nach abwechslungsreichem Gaumenschmaus zu befriedigen und nicht, um etwa unseren Hunger zu stillen.

Wir vermögen es nicht, weil uns das Tier ans Herz gewachsen ist. Es hat uns sein Vertrauen geschenkt. Wir haben in seine Augen geblickt. Es rührte uns an. Der Rest der leidenden Kreaturen ist uns unbekannt. Es fällt uns ja auch leichter, eine Bombe über einem Dorf abzuwerfen und unzählige Unschuldige zu töten, als jemanden zu töten, der uns in die Augen schaut.

Wenn die Masse der Tiere, die ihr Leben für uns lassen müssen, schon nicht unsere Zuneigung empfangen dürfen, sind sie dann nicht aber wenigstens unserer Achtung wert? Wie ist es uns möglich, zumindest im Unterbewusstsein sehr wohl zu wissen, dass zumeist unsere Achtlosigkeit und unser Geiz und Gier für grausame Tiertransporte, Massentierhaltung, Ausrottung von Tierarten verantwortlich ist und dennoch keine Konsequenzen aus diesem Wissen zu ziehen?

Was will ich nun mit alldem erreichen, werden Sie fragen. Sollen wir alle auf Fleisch verzichten? Vegetarier werden?

Nein, das will ich keineswegs. Ich selber esse gerne Fleisch. Und ich bin im Grunde genommen auch der Überzeugung, dass wir für unsere Gesundheit gelegentlich Fleisch benötigen. Das ist allerdings Ansichtssache. Ich orientiere mich gerne an der Natur. Auch Menschenaffen, unsere Vorfahren, gingen von Zeit zu Zeit auf die Jagd. Doch dieses von Zeit zu Zeit ist wesentlich. Sie taten es nicht aus Grausamkeit oder Gier, sondern um den Körper spezielle Nährstoffe zuzuführen.

Würden wir, wie es z.B. in meiner Jugend der Fall war, zumeist nur am Sonntag einen Braten essen, auf den wir uns die Woche über gefreut haben, müsste es keine Massentierhaltung geben, und unserer Gesundheit wäre diese Enthaltsamkeit auch sehr viel bekömmlich.

Dann könnten wir uns auch wertvolles Fleisch von einem Tier leisten, das nicht aus einer Massentierhaltung stammt, sondern artgerecht auf einem Bauernhof unserer Gegend aufgewachsen ist.

Für mich ist, wie schon gesagt, lediglich wichtig, das Bewusstsein für unser Handeln wach zu rütteln. Naturvölker wussten noch, was sie der Natur schuldeten. Ein erlegter Bison bedeutete zum Beispiel oft für ein ganzes Indianerdorf das Überleben. Demzufolge ehrfürchtig wurde dem Tier für die Gabe seines Lebens gedankt und alles von seinem Körper verwertet. Ein gesundes, kraftvolles Tier bedeutete für sie, die Kraft und die Gesundheit dieses Wesens in sich selber aufzunehmen um ebenfalls stark zu werten. Wie viel Kraft können wir eigentlich aus einem kranken, misshandelten und mit Medikamenten voll gepumpten Tierkörper schöpfen?

Und wie dankbar gehen wir mit diesem uns geschenkten Leben um? Wie oft wandert das, was vom Essen übrig bleibt, achtlos in die Mülltonne?

Ich denke, wenn wir uns nicht nur über die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt aufregen, Tränen über verhungernde Kinder vergießen sondern ein klein wenig über unser Verhalten und unsere Einstellung gegenüber der Schöpfung nachdenken, könnten wir einen großen Teil dazu beitragen, dem Begriff "Mensch" gerecht zu werden, anstatt unsere Mitgeschöpfe als "tierisch" zu bezeichnen. Tiere handeln ihrer Natur entsprechend um zu überleben. Wir setzten unseren angeblich einzigartigen Verstand oft dafür ein, Grausamkeiten zu erfinden.

Ein kurzes Gebet vor jeder Mahlzeit, indem wir neben Gott auch dem Tier gedenken, das nun zerstückelt vor uns auf unserem Teller liegt, wäre schon ein kleiner Anfang.